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Im
Sommer 1946 rief Werner Borgstedt Kriegsversehrte auf, wieder Sport zu
treiben. Daraufhin fanden sich 10 Mitstreiter auf dem Bollbrinker zur
Leichtathletik. So entstand eine der ersten
Versehrtensportgemeinschaften in Deutschland. Im Winter ging es in die
Turnhalle der alten Cecilienschule an der Elsa-Brandström-Straße. 1947
übernahm Udo Graf zu Eulenburg, der aus dem Kunstturnen kam, die
Übungsleitung.
- 1953 korporativer Anschluß an den DSC Arminia.
- 1972 Wechsel zum Polizei-Sportverein Bielefeld. (Konsequenz aus dem berüchtigten Bundesligaskandal)
- 1951 entstand die Sitzballgruppe (seit 1954 deutsche Spitze). Sitzball, Sitzvolleyball, Fußballtennis.
- 1956 Gymnastik und Schwimmen am Kesselbrink.
- 1956 die erste Versehrtenkindergruppe im Lande. Poliomyclitis, Spastiker, ab 1965 Contergangeschädigte.
Kinderbetreuung der BSG Bielefeld (damals VSG) in den 50 iger, 60 iger und 70 iger Jahren (Udo Graf zu Eulenburg)

Die erste Kindergruppe starteten wir 1957 im Hallenbad am Kesselbrink mit hilfreichem Rückenwind vom Gesundheitsamt der Stadt. Als Erster kam ein 10-jähriger Junge, der bei einem Unfall einen Oberschenkel
verloren hatte. In seiner Schulklasse hatte er Probleme. Aber er lernte
bei uns schnell das Schwimmen und traute sich bald den Sprung vom
3-Meter-Brett zu. Als für seine Klasse im Sport Schwimmen angesagt war, konnten das nur wenige. Und keiner wagte wie er den Kopfsprung von 3 Metern. So wurde sein Ansehen derart gehoben, daß er fortan zum Klassensprecher gewählt wurde. Dieser Erfolg machte nicht nur ihm Mut, sondern auch uns. Die
Gruppe bestand vornehmlich aus Poliogelähmten und Spastikern. Ein
Mädchen mit großem Betreuungstalent wuchs aus dieser ersten Gruppe als
Hilfe in die zweite, die Conterganschadensgruppe hinein. Der Start im Mai 1965 war von dem Elternverband angeregt worden, deren Vorsitzende sich an mich

1965
begann die 2. Kindergruppe mit den Conterganern, manche kaum 4 Jahre
alt. Von Selbsbewußtsein war noch wenig in den Gesichtern zu lesen
wandte. Wir waren die ersten in der Bundesrepublik,
die sich mit einer solchen Pionieraufgabe in ein tolles Neuland wagten.
Der
Spaß am Erlebnis sollte Leistungsbereitschaft, gesunden Ehrgeiz, Stolz
auf Ergebnisse und somit Lebensmut fördern. Klein angefangen, steigerten sich die Anforderungen.
Ein Shetland-Pony wurde angeschafft, und alle lernten Reiten und Fahren. Der rechte Umgang mit Tieren war mir wichtig.

Die Kinder – hier beim Heidefest – hatten gelernt
mit
Pferd und Wagen umzugehen.
Bild 2 zeigt, wie selbstsicher die Kinder in der großen Vereinsgemeinschaft beim jährlichen Heidefest in der Senne waren.
1967 flogen 4 Privatflugzeuge von Sponsoren mit der Rasselbande auf Einladung von Herrn Kaselowski von Windelsbleiche auf die Insel Juist zu einem 3 wöchigen Ferienaufenthalt. Das Erlebnis wurde ein solcher Bombenerfolg, die Begeisterung so riesig, daß diese Aktion in den folgenden Jahren 14 mal wiederholt werden konnte. Nun aber allerdings nicht mit Flugzeugen, sondern mit Bus und Fähre. Die engagierten Betreuerinnen hatten einen großen Anteil an der Persönlichkeitsbildung der Teilnehmer..

„
Auf gleicher Augenhöhe“
gut, aber nicht einfach.
Der wöchentliche Übungsbetrieb bestand aus einer Stunde im großen Gymnastikraum und einer Stunde im Schwimmbecken.
Gymnastik, Spiele und Trampolinturnen zeigen die Bilder 4-9.

Unsere Arbeit wurde durch die Medical
Tribun international bekannt, und selbst in Japan erschien das Bild10,

mit
dem Springen von vier Kindern, jeweils zwei synchron und die Paare
diachron im Rhythmus, jedes Paar über sein Seil, vorwärts hin und
rückwärts zurück. Eine schwere Koordinationsaufgabe, ein Miteinander. Spielen kam nicht zu kurz.
Den Höhepunkt erreichte ein Junge ganz ohne Arme: Anlauf - Sprung vom Minitrampolin vorwärts im Salto auf das große Trampolin - dort nur einen Zwischensprung und als Abschluß einen zweiten Salto.
Angst
ist immer dann dienlich, wenn Wege aufgezeigt werden, sie zu
überwinden. Das führt zu einem wahren Hochgefühl. Beim Schwimmen
spielten bei uns die Flossen als Kompensation bei fehlenden Armen eine
große Rolle. Pfeilschnell wurden alle.
25 Meter unter 20 Sec. war Klasse. Die gleiche Strecke zu tauchen wäre ohne dieses Vortriebsmittel unmöglich gewesen. Als Anreiz zum Tauchen kauften wir Hulahup-Reifen aus Plastik mit entsprechendem
Auftrieb im Wasser. An jeden wurde mit unterschiedlich langer Schnur
ein Eisengewicht, zum Schutz der Grundfliesen in einen Strumpf
gewickelt- gebunden. So schwebten die Reifen in unterschiedlicher
Wassertiefe und wendeten sich auch etwas. Die Aufgabe war es, mit
Flossen einen Slalomparkour zu durchtauchen. Wer schafft, ohne zwischendurch an die Oberfläche zu kommen, 5 Reifen? Motto: Augen auf und durch!

Bild 11 zeigt, wer 1974 den von uns entwickelten und von DLRG anerkannten Jugendschwimmschein geschafft hatte. Bedingungen waren der Behinderung angepaßt, aber sehr schwer.
Die Teilnahme in unsern Kinder-/Jugendgruppen sei ihnen eine wesentliche Lebenshilfe gewesen, bestätigen die heute Erwachsenen immer wieder, und die Eltern taten es von Anfang an.
- 1962 entstand durch Initiator Willi Beune die Abteilung Blindensport.
- 1974 Wassersport, Schwimmen im Hallenbad Brackwede.
- 1977 durch
vorbildliche Bemühungen von Günter Jesgarzewski entstand die
Rollstuhlsportgruppe. (Basketball, Tischtennis, Breitensport).
- 1979 war Dr. Marpmann Initiator für den Coronarsport.
- 01.01.87 begann der Übungsbetrieb der Morbus Bechterew-Sportgruppe.
- 01.01.87 begann der Übungsbetrieb der Morbus Parkinson-Sportgruppe.
- 04.05.87 begann der Übungsbetrieb der Psychomotorikgruppe für Kinder.
- 01.06.87 begann der Übungsbetrieb der Diabetiker-Sportgruppe.
- 01.11.87 begann der Übungsbetrieb der Krebsnachsorge-Sportgruppe.
- 22.08.89 begann der Übungsbetrieb der Gefäßsportgruppe (AVK).
- 01.07.90 begann der Übungsbetrieb der Osteoporose -und Herzsportgruppe. (Auflösung am 01.01.92)
- 01.11.94 Kinder und Jugendsport werden durch Michaela Spintzyk und Meike Isermann neu aktiviert.
- 01.07.95 integrierter Familiensport als Pilotprojekt.
Vorsitzende von 1946 bis Heute.
- 1946 - 1953 Werner Borgstedt
- 1953 - 1959 Dr. Gerd Sluet
- 1959 - 1984 Udo Graf zu Eulenburg
- seit 1984 Günter Jesgarzewski
Günter Jesgarzewski
Anfang
Seit
1977 bin ich in der BSG als aktives Mitglied eingetragen. Die
Gründung der Rollstuhlsportgruppe innerhalb der BSG als neue
Abteilung war der Grund für den Vereinsbeitritt. Damit verbunden und
für mich auch Neuland war die Übertragung der Abteilungsleitung bzw.
-vertretung für diesen Personenkreis. Bis zu dieser Zeit fuhr ich
zweimal die Woche nach Bad Pyrmont zur dort ansässigen
Rollstuhlsportgruppe zum Tischtennistraining, um diese Sportdisziplin
wettkampfmäßig betreiben zu können. Mit der Zeit wurden mir die Fahrten
lästig und so verstand sich mein Eigeninteresse, in Bielefeld ähnliche
Möglichkeiten für Rollstuhlfahrer zu schaffen. Durch einige glückliche
Umstände (Arbeitsplatz in der rollstuhlfreundlichen Universität usw.)
konnte ich mit einer kleinen Gruppe gleichgesinnter Rollstuhlfahrer
tatsächlich dieses theoretische Interesse in die Praxis umsetzen. Das
Umfeld, sprich Verein, war schnell gefunden und bereit, uns
aufzunehmen. Was ich eigentlich nicht geplant hatte und auch gar
nicht wollte, war sogleich die Anwartschaft einer ehrenvollen
Funktionärslaufbahn in diesem Verein und das im Alter von 26 Jahren.
Das
soll als allgemein gehaltene Information zu meiner Person, heute 21
Jahre in der Funktion des 1. Vorsitzenden ausreichen, um einen kleinen
Überblick zu gestatten wie sich die Lebensgestaltung einer unbewußten
Entwicklung anpassen kann. Die BSG war damals, aus meiner Sicht
gesehen, in einem soliden Zustand. Es war die Zeit des Umbruchs in der
Behindertensportbewegung. Alte Zöpfe wurden, wenn auch wehmütig,
langsam abgeschnitten. Aus dem Versehrtensport der Anfänge wurde der
Behindertensport neuzeitlicher Prägung von den Verbänden in die Vereine
getragen, und somit die Voraussetzungen geschaffen, behinderte Menschen
stufenlos auf eine gemeinsame Ebene zu definieren. In den Anfängen
meiner Tätigkeit mußte ich oft bei den unterschiedlichsten
Veranstaltungen erkennen, daß die Ursache der Versehrtheit bzw. der
Behinderung von entscheidener Bedeutung bei der Qualifizierung und
Respektierung der eigenen Persönlichkeit war. Zum Glück sind mir diese
Erkenntnisse in der BSG nicht sichtbar geworden. Ich hatte den
Eindruck, daß in dieser Sportgemeinschaft ein besonders ausgeprägter
Sinn für Innovationen, daß Vorleben positiver Entwicklungen für
andere, die sich schwerer von alten Gewohnheiten und Rechten trennen
konnten, vorherrschte. Allen voran, Udo Graf zu Eulenburg, wie sich für
mich später herausstellte, einer der wegbereitenden Persönlichkeit des
Versehrtensports. Dieses Ansehen verschaffte er sich insbesondere
in der Entwicklung und Ausbildung der Sportprogramme auf Verbandsebene.
Und diesen Mann, der schon viele Jahre als Vereinsvorsitzender die
Geschicke der BSG lenkte, durfte ich kennenlernen. So wuchs ich
automatisch und mit Begeisterung in seinen Wirkungskreis mit hinein und
lernte den Umgang mit behinderten Menschen und die Verantwortung zum
Wohle dieser in relativ kurzer Zeit. Denn für Udo stand der Zeitpunkt
fest, wann er die Verantwortung in jüngere Hände legen wollte. so baute
er sich seinen Nachfolger aus der aktuellen Vorstandsmannschaft auf.
Zusammen mit diesem war ich bereit und wollte auch 1984 das sportliche
Erbe von Udo übernehmen und in seinem Sinne fortführen. Aber wie so oft
im Leben, kam es anders. Der Wunsch von Udo erfüllte sich so nicht.
Kurzfristig mußte er eine andere Lösung für den Nachfolger finden.
Nicht der desugnierte Nachfolger und Wunschkandidat wurde im Februar
der Mitgliederversammlung vorgestellt, sondern ich stellte mich
nach dieser unverhofften veränderten Lage zur Wahl des 1. Vorsitzenden.
In meinem jugendlichen Leichtsinn war ich stolz, daß Udo mich im
Vorfeld der anstehenden Mitgliederversammlung fragte, ob ich bereit
wäre, sein Nachfolger zu werden.
So
wurde ich 1984 von den anwesenden 200 Mitgliedern zum 1. Vorsitzenden
gewählt. Die neue Mannschaft, nach Udo, sah wie folgt aus:
Vorsitzender:
Günter Jesgarzewski; Vertreter: Rudi Winkler, Andreas Kuhlmann;
Geschäftsführer: Hermann Delakowitz, Vertreter: Rudi Sahre.
Angetreten
war ich mit der Aussage, den Verein nicht verwalten zu
wollen, sondern ihn zukunftsorientiert zu gestalten. |