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Monis Tagebuch Peking 2008

       

PARALYMPICS IM TV

Sonntag, 21.09.2008 MEZ 19.00 Uhr
 
Heute melde ich mich zum letzten Mal bei Euch...
 
Nach einer kurzen Nacht in Beijing, ging der Wecker bereits morgens um 06.30 Uhr. Das Gepäck musste pünktlich (Oh die Umlaute funktionieren wieder) um 08.00 Uhr abholbereit vor der Tür stehen und wurde mit einem LKW zum Flughafen gebracht. Danach zum letzten Frühstück, ab in den Bus und zum Flughafen. Da wir alle unterschiedliche Zielflughäfen hatten, bekamen wir am Airport unser Gepäck zurück und mussten es selbst einchecken. Es herrschte ein großes Durcheinander, wir hatten alle die gleichen Taschen und Koffer. Es dauerte fast 2 Stunden, bis der Knoten sich auflöste. Pünktlich um 13.30 hob der Lufthansa Airbus ab und landete um 17.00 Uhr in München. Ziemlich müde mussten wir einen Bayrischen Empfang über uns ergehen lassen, (Es gab Blumen und Sekt) hier feierten sich insbesondere alle Ehrengäste, Politiker und wer auch immer sich gern im Fernsehen sieht und reden hört...
 
Um 19.00 Uhr sollte mein Flug Richtung Frankfurt gehen. Oh je, eine Stunde Verspätung. Endlich um 20.00 Uhr hoben wir ab. Am Frankfurter Flughafen gab es keine Probleme und zum Glück auch keinen Empfang. Ernest und Brigitte erwarteten mich schon sehnsüchtig und ich war voll happy....

 

Schnell zum Auto und ab Richtung Westkirchen. Die Müdigkeit war erst mal verflogen, weil es so viel zu erzählen gab. Zu Hause angekommen (ca. 01.00 Uhr morgens), die Nachbarn hatten gekränzt, ein fetter Blumenstrauß vor der Tür, schnell noch ein Bier reingezogen und in 'Mein Bett' herrlich... Reisezeit insgesamt 25 Stunden.
 
Ich schlief bis 14.30 Uhr am nächsten Tag. Ernst hatte mir schon verraten, dass ein Empfang ab 18.00 Uhr geplant war. Ich freute mich sehr, dass ich vorher ausschlafen konnte um diesen auch voll genießen zu können...
         

         

Es kamen alle, Freunde, Nachbarn, Familie, der Bürgermeister, meine TT-Freunde Rollis aus Bielefeld, und mein TT-Verein SV Gadderbaum (ebenfalls Bielefeld) und Radio WAF, die am Samstag eine Reportage machen wollten...mit Blumen und Geschenken. Wir hatten viel zu erzählen und viel Spaß, mit reichlich zu Essen und zu Trinken.

         

Ab Morgen wieder positiver Stress:
Montag: Empfang in Köln beim Ministerpräsidenten NRW Herrn Rüttgers
Dienstag: Empfang in Bielefeld von der BSG Bielefeld mit OB David
Last but not least, am 08.10 bei Angie (Merkel) in Berlin.
 
 
Es liegt mir sehr am Herzen mich nun bei Allen zu bedanken, die mich mit ihrer Hilfe unterstützt haben.
 
Bei meiner Familie, die immer da war, wenn ich íhre Hilfe brauchte.
Bei meinen Nachbarn, die, sollte ich eine Medaille holen, zur Belohnung unseren gesamten Garten auf Vordermann bringen wollten. (War bereits vor meiner Rückkehr erledigt)
Bei meinen Kolleginnen und bei meinen Chefs, die meine Launen ertrugen, wenn ich mal wieder im Stress war.
Bei meiner Freundin Gudrun für Ihre 'Zelte'
Bei der BSG Bielefeld, bei Lisa und Philip für das Training und bei meiner Bezirksliga Mannschaft vom SV Gadderbaum... 
Bei Helmut und Manni, die auf der homepage der BSG mein Tagebuch so wunderbar umgesetzt haben.
Bei allen Freunden, die mir die Daumen gedrückt und mit mir mitgefiebert haben.
 
Und natürlich bei meinem 'Maunza Ernst', der wichtigste Mensch in meinem Leben...
 
Tschüss Moni
 
Ach ja, das Wetter... 14 Grad, Gefahr von Bodenfrost

* * *

Mittwoch, 17.09.2008 Ortszeit 07.30 Uhr


Heute melde ich mich ein letztes Mal aus Beijing.
 
Gestern ging noch mal die Post ab. Unser Endspiel begann bereits um 10.00 Uhr Ortszeit, dass hieß für Andrea und mich aufstehen um 05.45 Uhr, nicht gerade meine Zeit. Wir waren völlig entspannt und wollten unser Endspiel nur noch genießen. Selbstverständlich war unsere Vorbereitung auf das Match genau geplant. Zum Einspielen baten wir zusätzlich Egon Kramminger aus Österreich (der spielt die fiesen chinesischen Noppen). Die Arena war gesteckt voll, wir wurden vom Publikum begeistert empfangen. Gänsehautfeeling...Ich glaube Ihr wisst es alle bereits , 1 : 3 für China. Wir hatten nicht wirklich eine Chance, einzig Andrea konnte die Nummer 2, Gay Gu, knapp im fünften Satz niederkämpfen.
 
Wir wurden alle wie Sieger gefeiert, als Dank an das wunderbare Publikum schossen wir TT-Bälle ins Publikum. Diese waren begeistert und wollten uns gar nicht mehr gehen lassen. Coach Christian war emotional auch ganz schön drauf. Doch oh je, nun ging der Stress schon wieder los, ab in die Mix Zone, Interviews für Fernsehen und Presse geben, danach direkt zur chinesischen Pressekonferenz, wir saßen gemeinsam mit dem chinesischen Team vor ca. 20 Journalisten, um deren Fragen zu beantworten. In Englisch, mit gleichzeitiger Übersetzung ins Chinesische. 'Fishing for Compliments' auf beiden Seiten. Danach erst mal Glückwünsche von allen Seiten, Kaffee rein, raus in den Bus, ab ins Dorf, Essen gehen, duschen und oh Schreck, Spedition Schenker wollte bereits, daß wir unser zusätzlich aufgegebenes Gepäck bis 18.00 Uhr im Büro des deutschen Teams abgeben. Nun war Zeitmanagement angesagt, da wir um 17.45 Uhr mit dem VIP Bus schon wieder abgeholt wurden, ab ins 'Paralympische Deutsche Haus', die nächsten Ehrungen und Sekt-Empfang und feiern....
   
Schweißgebadet standen wir um 17.45 Uhr vor der Tür, und wieder Stress...Unwetter, Gewitter und Regen, wieder rein Regenjacken an, Plastik-Tüten um die Beine und mindestens 600 m durch Stark-Regen mit Blitz und Donner, wie man es in Deutschland nicht hat. Unser Styling war vollkommen ruiniert, egal. Endlich im Deutschen Haus angekommen, weitere Gratulationen, alle Chinesen wollten „picture, picture“ machen und Autogramme haben. Wir trugen uns auf die Wall of Fame ein und nahmen unzählige Glückwünsche entgegen.
 
Ach ja, es fehlt noch die Siegerehrung. Mit dem VIP Bus wurden wir um 19.30 Uhr am Deutschen Haus abgeholt, Christian packte noch schnell eine Flasche Sekt und zwei Gläser ein, es ging ein letztes mal in die 'National University of Beijing' (die größte Uni Chinas mit 40.000 eingeschriebenen Studenten). Die Siegerehrung war wunderschön. Die Halle noch gesteckt voll und wir waren mächtig stolz, im Mutterland des TT so weit gekommen zu sein und nur gegen die starken Chinesinnen verloren zu haben, welche 6 mal die Woche professionell 8 Stunden am Tag trainieren!!!
 
Der VIP Bus wartete auf uns und ein begeisterter Fahrer, der erst aus dem Radio erfuhr, daß er zwei Medaillengewinner im Auto hatte, war begeistert. Auf der Rückfahrt köpften wir im Bus den Sekt, die Stimmung war super. Plötzlich schrie Connie auf: da, da unser Endspiel war auf einer großen Leinwand (diese sind überall in Peking aufgestellt und zeigen den ganzen Tag Sport von den Paralympics) zu sehen. Am Deutschen Haus angekommen noch ein Foto mit Medaille für den Fahrer und die Fete konnte endlich beginnen... open End...
 
Mit leichten Kopfschmerzen sitze ich, schon wieder unter Zeitdruck, hier um Euch hautnah zu informieren. Die Koffer müssen noch gepackt werden, zur Abschlussfeier werden wir bereits um 17.00 Uhr abgeholt und die letzte Fete beginnt...
 
Morgen früh werden wir schon um 06.30 abgeholt, in den Flieger und nach Hause... ich freue mich schon...und bin gespannt, was mich noch alles erwartet.
 
Ganz Herzlichen Dank an Alle, die mit mir mitgefiebert haben, mitgelitten und sich mit mir gefreut haben...
 
Liebe Grüße Moni

* * *

Montag, 15.09.2008 Ortszeit 09.00 Uhr
 
Finale ooooooho, Finale oooooohohohoooo!!!
 
Wir haben es geschafft, eine Medaille ist erst mal sicher.
 
Puh, das war ein brutal nervenaufreibendes Match gegen Serbien. Unsere Gegnerinnen: Borislava Peric und Nada Matic. Wir waren bis in die Haarspitzen motiviert und wollten unbedingt unser Ziel, das Finale, erreichen. Ich musste um Punkt 10.00 Uhr als Erste gegen Peric ran. Wir erinnern uns, im Einzel-Halbfinale verlor ich knapp mit 2:3 gegen sie. Nun, im Team-Halbfinale, wollte ich das Ergebnis umdrehen. Es fing super für mich an , ich ging schnell mit 2 : 0 in Führung, verlor den dritten Satz und das große Zittern fing wieder an. Ich kann auf diesem Turnier einfach kein Spiel gewinnen, welches über 5 Sätze geht. Am Ende wieder mit 2:3 verloren. Das zweite Einzel gewann Andrea gegen Nadia Matic problemlos mit 3 : 0.

   

Im wichtigen und häufig Spiel entscheidenden Doppel spielten wir sensationell gut und gewannen mit 3 : 0. Nun musste Andrea gegen Borislava ran. Andrea ging schnell mit 2 : 0 in Führung, den dritten Satz konnte Peric knapp für sich entscheiden, danach begann das erneut große Zittern. Peric kam immer besser ins Spiel und war nun eine ebenbürtige Gegnerin. Kampfstark, wie wir Andrea kennen, konnte sie den 4. Satz in der Verlängerung knapp für sich entscheiden....Finale, wir konnten es kaum fassen. 

   

Connie unsere Physio verdrückte ein paar Tränen, Coach Christian hatte Gänsehaut und mir vielen 198 Backsteine herunter, die sich alle nach der verpassten Medaille im Einzel angesammelt hatten. Unsere 'Deutschen Fans' gaben uns die 'La Ola' und schwenkten dazu ihre Fahnen. Die ARD war auch anwesend und sendet heute Nachmittag eine Zusammenfassung. Geschafft ich bin total happy...


 

Morgen, um 10.00 Uhr Ortszeit, spielen wir im Finale gegen China. Wir sind keine Favoriten und können befreit aufspielen. Unsere Gegnerinnen treten schließlich mit der Gold- und Silbermedaillengewinnerin der Klasse 5 und mit der Goldmedaillengewinnerin der Klasse 4 an.
 
Ich muss jetzt ins Bett, mentale Vorbereitung, um 06.00 Uhr ist die Nacht zu Ende. Morgen Abend wird abgefeiert im Deutschen Haus.
 
Lieben Gruß aus Wolke sieben sendet Euch
Moni
 
Übrigens: Wir hatten heute unser VIP Taxi und mussten durch den Sicherheitscheck. Wir kamen uns vor wie zu DDR Zeiten. Das Auto wurde gescannt, die Motorhaube geöffnet, der Kofferraum geprüft, die Rucksäcke durchsucht und der Höhepunkt: Connie hatte eine Flasche Wasser dabei, in der eine Magnesium-Tablette aufgelöst war. Sie musste, um zu beweisen, dass es lediglich Wasser war, aus der Flasche trinken. Sie hat geschimpft wie ein Rohrspatz....Günter versuchte zu beschwichtigen, Connie, bitte keine Provokation...Wovor haben die Chinesen eigentlich Angst? Na ja, es dient ja nur unserer eigenen Sicherheit.
 
Heute hatten wir mindestens 35 Grad im Schatten!
Ich bin nicht sicher ob ich es schaffe, morgen zu mailen. Der Terminkalender ist bereits voll, der Zeitplan knapp...

* * *

Sonntag, 14.09.2008 Ortszeit 05.30 Uhr


Guten morgen,
 
heute einmal zu ungewohnter Zeit, da wir erst um 16.30 Uhr spielen. Unser Gegner Slowenien. Also wer die Zeilen früher liest, Daumen drücken und wieder mal positives Karma schicken. Es geht um den Einzug ins Halbfinale.
(Es hat geklappt, Andrea und Moni stehen im Halbfinale!)


Gestern haben Andrea und ich trainiert und unserer Teams unterstützt. Team 4/5 (Selli, Jan und Dietmar) hat gegen das starke Team aus Hongkong gewonnen, Team 1/2 (Otto Walter und Holger) musste leider gegen den Gold- und Silbermedaillengewinner im Einzel Frankreich ran. Sie haben wirklich alles gegeben und verloren die beiden Einzel nach großem Kampf jeweils im fünften Satz. Dann war die Gegenwehr gebrochen und unsere Jungs verloren 0:3. Team 6-8 spielte gegen Taiwan und gewann souverän mit 3:0 Punkten. Nun müssen Sie gegen die favorisierten Chinesen ran - hier sind sie nur Außenseiter , da Daniel, Rainer und Jochen in der höheren Klasse 8 antreten müssen. (3:2 Niederlage nach großartigem Kampf!)
 
Übrigens: Nicole Struse hat eine E-mail geschrieben, dass wir mehr im Fernsehen zu sehen sind alles Timo Boll und Co und sie total begeistert ist. (Auch mal schön)
 
Lieben Gruß Moni

* * *

Freitag, 12.09.2008 Ortszeit 23.00 Uhr
 
Hallo Ihr Lieben,
 

nach erfolgreicher Frustbewältigung haben wir heute einen freien Tag genossen. Susanne, Hannes und ich sind früh morgens in den Cube (Schwimmstadion) gegangen, um uns einige Wettbewerbe anzuschauen. Das Stadion ist wunderschön und sieht von innen genauso aus wie von außen. Am frühen Morgen war es fast ausverkauft. Nur in den höheren Rängen waren noch einige freie Plätze zu finden. Es liefen gerade 100 m Vorläufe. Die Schwimmer bekamen kurz vorm Ende der Bahn von einem Betreuer am Beckenrand mittels eines langen Stockes einen Schlag auf den Rücken. Na nu? Ach ja , es waren die Blinden...

 

Anschließend mit dem Taxi in den Tempel of Heaven. Die Fahrt dauerte ca.1 Stunde und kostete sage und schreibe nur 5 Euro. Hier fährt fast jeder Taxi. Die Taxifahrer können kein Englisch und man sollte sich unbedingt sein gewünschtes Ziel in chinesischen Schriftzeichen auf einen Zettel schreiben lassen. Die Fahrt durch die Stadt ist jedes Mal ein Abenteuer und man ist froh, wenn man ohne größere Blessuren wieder aussteigen kann. Spurwechsel begleitet durch Hupkonzerte, unbeachtete rote Ampeln, Fußgänger, Radfahrer und alle mögliche Vehikel werden brutal von der Fahrbahn und vom Zebrastreifen verscheucht. Das 'scheinbar' pure Chaos - und alle Teilnehmer behalten den Überblick - nur wir nicht. Mann muss sich vorstellen, es fahren nach wie vor im Tageswechsel nur Autos mit geraden oder ungeraden Autokennzeichen. Nicht auszudenken, was hier los ist, wenn sich wieder alle Fahrzeuge auf den Asphalt stürzen.
       
Die Tempelanlage befindet sich in einem großen Park und ist wunderschön. Riesige Plätze bebaut mit farbenprächtigen Pagoden mit goldenen Dächern. Und endlich entdeckten wir das richtige Beijing. Die Einheimischen kommen hierher, um ihre Freizeit zu genießen, sie meditieren, treffen sich zum Fußballfederball, spielen auf selbst gebastelten Instrumenten, beschäftigen sich mit Glücksspielen oder Kartenspielen oder spielen chinesisches Schach. Karaoke ist an der Tagesordnung, jeder macht das, was ihm Spaß macht und jeder der möchte, kann mitmachen. Susanne spielte mit einigen Frauen Fußballfederball, Hannes ließ einen Drachen steigen und ich unterhielt mich mit einem alten Herrn, der mit seinem Vogel spazieren ging (eine Nachtigall im Käfig). Wir waren übrigens auch sehr begehrte Foto-Objekte. Ständig wurden wir fotografiert und gefilmt. Als ich dann noch eine steile Rampe auf zwei Rädern herunterfuhr, musste ich sogar einige Autogramme geben. Wir hätten diesem Treiben noch stundenlang zusehen können....Entspannung pur. Um ca. 16.00 Uhr Taxi ran winken, und wieder 1 Stunde Harakiri durch die Stadt zum Village.
 
Und morgen dann wieder der Stress. Der Teamwettbewerb beginnt. Da wir an Nummer 2 in der Rangliste gesetzt sind, haben wir in der ersten Runde im Team ein Freilos und müssen erst übermorgen wieder ran. Wir spielen gegen den Gewinner aus HongKong gegen Slowenien und wollen dieses Match beobachten. Die Medaillenhatz beginnt aufs neue...
 
Es war ein genialer Tag heute, bis morgen,
 
liebe Grüße Moni.
 
Ach ja, wir müssen mal wieder über das Wetter sprechen: 30 Grad, wolkenloser Himmel und laue Nächte.

* * *


Donnerstag, 11.09.2008


Guten Abend liebe Leser,
 
sicher wissen die meisten schon, dass ich das Halbfinale und das Spiel um den dritten Platz gestern verloren habe. Vielen Dank für Eure lieben Rückmeldungen zu diesem Mist. Für die, die es noch nicht wissen und es interessiert, schreibe ich den Schei...Spielverlauf nochmals auf, um vielleicht dadurch auch meinen Frust abbauen zu können.
 
Also: Halbfinale gegen meine Angstgegnerin Borislava Peric (SRB). Ich hatte mir fest vorgenommen, sie hier endlich wieder mal zu schlagen. Es fing alles super an, der erste Satz ging an mich - tschaka - ich war gut drauf und bis in die Haarspitzen motiviert. Im zweiten Satz lag ich bereits 2:6 zurück, mein Coach Günter nahm eine Auszeit, und ich konnte mich wieder heran kämpfen und führte sogar 9:8. Danach schlug das bereits obligatorische Glück von Borislava wieder zu, ein Kantenball und ein Netzroller und ich gab den Satz ziemlich unglücklich zu 9 ab. Den dritten Satz konnte ich wieder für mich entscheiden. 2 : 1 für mich, ich hatte das Gefühl hier geht was... In Satz Nummer 4 führte ich bereits 2 : 0. Borislava war ziemlich von der Rolle, da schlug die Stunde des Schiedsrichters. Er war der Meinung, er müsste bei diesem Spielstand ungefähr 2 Minuten die Höhe und die Spannung des Netzes prüfen - warum auch immer. Borislava bekam durch diese Aktion eine zusätzliche Auszeit (die reguläre hatte sie bereits im dritten Satz genommen), konnte sich wieder sammeln , im Gegenzug ging bei mir nichts mehr. Der 4. Satz ging an Borislava. Es begann der alles entscheidende 5. Satz. Bis Mitte des Satzes wogte es hin und her, beim Seitenwechsel stand es 5 : 4 für mich. Ich schaffte es, mich mit 7 : 4 abzusetzen, dann (wir hatten dieses Thema schon 3 Sätze vorher) das obligatorische Glück der Frau Peric. Wieder ein Netzroller und ein verunglückter Return, der unglücklich auf meiner Seite auf kam. Meine Nervosität wurde immer größer, ich immer hektischer und ich verlor das Halbfinale!! Oh je, ich hatte gut gespielt, gekämpft wie ein Schwein und trotzdem meine Chance nicht nutzen können. Ich Idiot...
 
Auch meine Teampartnerin Andrea verlor ihr parallel laufendes Halbfinale in der Klasse 5 mit 1 : 3 gegen die starke Chinesin Gu Gay.
 
Um nicht zu viel nachzudenken, wir sofort in den Bus, ins Dorf zurück und 2 Stunden ausruhen. Bevor der Stress wieder los ging. Dieser war nun viel größer als je zuvor. Ich wollte unbedingt die Bronzemedaille....Blech hatte ich mir nicht erträumt.
 
Das Spiel um die Bronzemedaille war, von meiner Seite gesehen, ein einziges Zitterspiel - alle die selbst TT spielen kennen das - ich mache es kurz, der erste Satz ging knapp an meine Gegnerin Moon aus Korea, den zweiten konnte ich für mich entscheiden, der dritte wieder knapp an Moon und im vierten Satz muss ich leider sagen war sie einfach besser als ich. Meine Enttäuschung war riesengroß und die Tränen flossen in strömen. Andrea machte es besser als ich, sie ließ im Spiel um Platz 3 ihrer Gegnerin Abuawad aus Jordanien keine Chance und sicherte sich souverän die Bronzemedaille. In der Klasse 4 und 5 gewann jeweils China Gold.
 
Abends sind wir mit dem Taxi ins Paralympische Haus gefahren, dies befindet sich in der Nähe des Vogelnestes. Hier treffen sich Sportler, Funktionäre, wichtige Persönlichkeiten usw. zum Smalltalk. Es gibt deutsches Bier, deutsches Essen und man glaubt es kaum, Teller aus Porzellan und Getränke aus Gläsern. Mit einem Glas Rotwein (na gut es waren zwei) und einigen netten Gesprächen, konnte ich den Frust bereits etwas abbauen.
 
So... heute morgen war die Stimmung schon wieder etwas besser. Unsere Bilanz im Tischtenniseinzel: 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze. Insgesamt etwas mager, die Chinesen greifen hier fast alles ab.
 
Morgen haben wir einen freien Tag. Susanne, Günter und ich wollen erst in die Schwimmarena und anschließend mit dem Taxi ins Zentrum, shoppen gehen. Ab Samstag wollen wir unsere 'second chance' und in meiner Karriere auch die 'last chance' nutzen und wieder angreifen....
 
Liebe Grüße Moni
 
Übrigens: Bevor wir ein Taxi zum Paralympischen Haus bekamen, haben mindestens 8 Taxen, die vorher anhielten, gesagt: „Wir nehmen keine Rollstuhlfahrer mit...“ Was immer das auch heißen mag.
Ach ja, das Wetter: Seid 2 Tagen 28 Grad und wolkenloser Himmel.

*  *  *

Dienstag, 09.09.2008 Ortszeit 19.30 Uhr
 
Tschaka Tschaka - Halbfinale erreicht...
 
Hallo Ihr Lieben,
 
gestern konnte ich mich leider nicht mehr melden, da ich mich auf dieses wichtige Spiel konzentrieren wollte. Nach Videoanalyse meiner Gegnerin Jung (KOR) und einer Lockerungsmassage von unserer wichtigsten Frau im Team, Connie, ging ich fix ins Bett. Schlafen - ging natürlich nicht.
 
Um 06.30 Uhr ging der Wecker - Dauerregen in Beijing. Also wieder Regenjacke an, Rucksack gepackt mit allen wichtigen Utensilien und bewaffnet mit Jing Jing (Maskottchen, ein kleiner Pandabär, Geschenk von Ernst) ging es zum Frühstück. Kotz würg - ich konnte vor lauter Aufregung fast nichts essen...und wünschte mir es möge 5 Stunden später sein. Um 08.00 Uhr waren wir in der TT-Arena. Einspielen - speziell gegen Noppen. Noch 3 mal zum Klo rennen, die gesamten Prozeduren (Schlägerkontrolle, Trikotkontrolle, Ballwahl, Werbeaufdrucke abkleben, selbst die Etiketten auf den Trinkflaschen mussten entfernt werden) über uns ergehen lassen. Ab in den so genannten 'Callroom' und warten.
 
Die Halle war voll...Gott sei dank auch einige lautstarke deutsche Fans. Ich hatte erst 1 x gegen meine Gegnerin Jung (KOR) gespielt und oh je verloren. Erster Ballwechsel - Punkt für mich, Nervosität ablegen und weiter, weiter, weiter...
Der erste Satz ging knapp, ich weiß gar nicht mehr so genau, in der Verlängerung mit 17 : 15 an mich. Puh... hätte ich diesen verloren, wäre es sicher ein Zitterspiel geworden. Die Gegnerin war leicht geschockt, der zweite Satz ging relativ locker mit 11: 3 an mich. So, jetzt ja nichts mehr anbrennen lassen und keinen Satz mehr abgeben. Im dritten versuchte Jung nochmal alles, ich konnte den Satz knapp für mich entscheiden.           3 : 0 - es war geschafft. Große Erleichterung... Für ca. 3 Stunden...Dann standen die Halbfinale fest. Ich muss morgen früh, Ortszeit 10.00 Uhr, gegen meine Angstgegenerin Borislava Peric (SRB) ran. Gegen Borislava habe ich die letzten 4 Spiele verloren! Ergo bin ich nicht Favoritin. Die Spiele waren immer knapp und ich hoffe, dass ich diesmal wieder dran bin. Also Wecker auf 04.00 Uhr MEZ stellen, Daumen drücken und positives Karma rüberschicken.
 
Die zweite Halbfinalbegegnung heißt Zhou (CHN) gegen Moon (KOR).
Nachmittags um 17.20 Uhr spiele ich dann entweder um Bronze oder Gold...
 
Liebe Grüße Moni
 
Übrigens: Heute waren mindestens 7 Nationen gemeinsam mit uns im Bus, Ägypten, China, Korea, Jordanien, Italien, Mexiko und Germany. Small Talk in Englisch oder mit Händen und Füßen, durch die überfüllte Chinesische Hauptstadt, am Vogelnest vorbei durch staunende Menschenmassen... Wunderbar - das macht es aus, das bleibt im Kopf!

* * *


Sonntag, 07.09.2008 Ortszeit 22.30 Uhr

(Wichtige Information: Die Sendung im ZDF über unseren Besuch in der Kneipe von Jan-Ove Waldner wird bereits Montag zwischen 13.00 und 15.00 Uhr gesendet, nicht wie von mir irrtümlicherweise in Folge 8 geschriebenen Zeit ab 15.00 Uhr.)
 
Guten Abend zusammen,
 
wow - war das die letzten 24 Stunden aufregend...

              

Die Eröffnungsfeier war der Hit. Stehe ja eigentlich nicht unbedingt auf Chinesen , aber Hut ab, das war Logistik in Perfektion. Und das Programm wirklich beeindruckend. Ich hoffe, der Einmarsch der Nationen hat nicht zu lange gedauert und die Zuschauer haben nicht weg gezappt. Das olympische Dorf ist ca. 700 m vom Vogelnest entfernt und wir waren bereits um 24.00 Uhr wieder zurück. Dann schnellstens ins Bett. ich konnte natürlich nicht schlafen und musste die vielen Eindrücke erst einmal verarbeiten. 

      

         

   

          

  

Erster Wettkampftag.
Um Sieben ging der Wecker. Der Tag fing nicht gut an. Gewitter und Regen. Klamotten in den Rucksack, Regenjacke raus und ab zum Frühstück. Danach in den Bus und in die Wettkampfarena Beijing Gymnasium. Als wir dort ankamen erst einmal die Nachricht: Das ZDF hat die Fernsehrechte für diesen Tag gekauft und die Deutschen Spiele werden alle oder in Auszügen übertragen. Zur Erklärung: In der Halle befinden sich 8 Wettkampftische. An Tisch Nr. 1 wird vom Chinesischen Fernsehen ständig gefilmt und die Aufnahmen meistbietend an ausländische Fernsehsender verkauft. Mann höre und lese, das ZDF hat direkt zugeschlagen. Diese Information vor dem Spiel ließ mich nicht ruhiger werden. Natürlich habe ich gleich meiner Gegnerin davon erzählt, dass unser Spiel im Deutschen Fernsehen übertragen wird, damit ich sie auf den gleichen Nervositätspegel (gibt es dieses Wort überhaupt?) bringen konnte.
Theresa Arenales (MEX) war Gott sei Dank noch ein wenig aufgeregter als ich und ich konnte das Spiel mit mäßiger Leistung 3:0 für mich entscheiden. Mann, war ich erleichtert...
 
Dann meine Teamkollegin Andrea Zimmerer supporten. Andrea hatte ihre polnische Gegnerin Barbara Barzsch locker 3:0 im Griff.
 
Kaffeepause, eine Lockerungsmassage bei Connie und dann ging der Stress schon wieder los gegen Patricia Sacca aus Italien. Es standen wiederum die Kameras am Tisch. Um jegliche Blamage zu vermeiden, spielte ich hochkonzentriert und konnte auch dieses Match 3 : 0 gewinnen. Puh!
 
Die Halle war bereits beim ersten Spiel gut besucht. Die Chinesen sind ein sehr faires und sachkundiges Publikum, sie heizen die Stimmung mit Claqueuren (Das Wort ist sicher nicht richtig geschrieben) heftig an und applaudieren bei guten Leistungen allen Spielern, auch wenn sie gegen einen Chinesen spielen. TT Spielen macht hier einfach Spaß...
 
Es sind einige Deutsche Schlachtenbummler vor Ort, die uns lautstark und mit kompletter Ausstattung (Fahne, Mütze, Rassel etc., Fußball WM sei Dank) unterstützen.
 
Morgen habe ich wieder einen freien Tag, den werde ich nutzen um unser Team zu unterstützen.
 
Heute Abend stand noch eine Einladung bei unserem Bundespräsidenten Herrn Horst Köhler auf dem Programm. ich musste ihm leider absagen, da ich im Moment wichtigeres zu tun habe. Damit ich nicht ganz traurig bin, hat er unser Appartement besucht und aufgeräumt...Nein stimmt nicht, ist wunschdenken - er hat nur einmal reingeschaut um zu sehen wie wir hier untergebracht sind.
 
Endlich mit sportlichem Grüßen Moni
 
Übrigens: Es gibt vor jedem Spiel unter anderem einen 'Klamottencheck', es wird jeder Werbeaufdruck (auch vom Hersteller) mit Klebeband ab geklebt. Sogar auf den Socken...Als ob Chinese X in Rang 25 dies sehen könnte, in Geschäft Y geht und sich gerade diese Socken kauft. Zur Sicherheit habe ich erst gar keine angezogen. Grins..

* * *

Samstag, 06.09.2008 Ortszeit 13.30 Uhr

Der Countdown läuft
 
Hallo Ihr Lieben,
 
melde mich heute zu einer unüblichen Zeit, gestern war ich viel zu kaputt, um noch einen klaren Gedanken fassen zu können.
 
Das wichtigste zuerst. Ab morgen benötige ich Eure Unterstützung (Daumen drücken und positives Karma schicken).
Hier meine Auslosung: Erstes Spiel Sonntag Ortszeit 12.00 Uhr (MEZ 06.00 Uhr) gegen Arenales (Mex), Zweites Spiel Ortszeit 18.00 (MEZ 12.00 Uhr) Uhr mit Fragezeichen gegen Patricia Sacca (ITA). Danach ein freier Tag und am Mittwoch gegen Jung (KOR) Uhrzeit erfahre ich erst heute Abend. Der Cheftrainer Günter Pock wird mich betreuen, Gespräche zur Taktik haben wir bereits ausgiebig geführt. Nur die Gruppenerste kommt weiter. Versuche Euch so aktuell wie möglich zu informieren.
 
Gestern waren wir im Cafe Restaurant von Jan-Ove Waldner. Das ZDF hat uns begleitet, es wird eine kleine Reportage am Montag 15.00 Uhr MEZ gezeigt. Also Fernseher an und rein schauen... Im Restaurant steht eine TT-Platte. Der Geschäftsführer des Restaurants empfing uns mit den Worten O-Ton: An diesem Tisch habe ich noch keinen Satz abgegeben! Die Herausforderung haben Daniel und Rainer angenommen....20 Minuten später ein sichtlich beeindruckter Mr Lee, der nicht mehr lächelte und gleich zwei Niederlagen einstecken musste. Alles weitere im ZDF.
 
Heute Eröffnungsfeier. Nach langem Hin- und Her habe ich mich entschlossen doch zur Eröffnung zu gehen, da wir erst gegen 19.00 Uhr vor unserem Haus abgeholt werden und ich am nächsten Tag erst um 12.00 Uhr spielen muss.
 
So jetzt geht's zum Essen und danach beginnt die mentale Vorbereitung, sprich Entspannung bei einem blutrünstigen Krimi...
 
Liebe Grüße, nun bereits mit einem kribbeln im Bauch.
 
Moni
 
Übrigens: Wir sind nun eingekesselt, aus Sicherheitsgründen kein Besuch mehr von außen, überall Polizei, selbst Panzerwagen und Wasserwerfer in den Gebieten rund um dass Stadion und des Dorfes.

* * *

Donnerstag, 04.09.2008 Ortszeit 23.00 Uhr
 
 Regen in Beijing


 
Hallo Ihr Lieben,
 
heute hat es zum ersten Mal geregnet. Von der Trainingshalle in den Bus wurden wir von 3 hübschen Chinesinnen mit 3 überdimensionalen
Regenschirmen begleitet. Ich kam mir vor wie der Kaiser von China, oder so. Mann ist ja schließlich wer.
 
ARD und das ZDF führten am Nachmittag Einzelgespräche mit uns. Es soll sogar Live-Übertragungen von einzelnen Spielen geben. Hoffentlich nicht von mir, da hätte ich schon Angst, dass ich mir vor lauter Aufregung einen schönen Mist zusammenspiele.
 
Jetzt wird es Zeit, dass es losgeht. Sonst kriegen hier so einige einen Lagerkoller...
 
Morgen fahren wir in die Bar von Jan Ove Waldner (wer es nicht weiß, begnadeter TT-Spieler aus Schweden, der in Peking eine Kneipe eröffnet hat). Dort erfahren wir dann unsere potenziellen Gegner. Danach wird schon der ein oder andere eine schlaflose Nacht verbringen.
 
Heute alles ein wenig kürzer, mein Bett ruft ziemlich laut.
 
Lieben Gruß Moni
 
Übringens: Selbstverständlich gibt es nur alkoholfreie Getränke. Wir wissen schließlich, warum wir hier sind.

* * *

03.09.2008 Ortszeit 23:30 Uhr
 
Guten Abend alle Miteinander,
 
heute haben wir zum ersten Mal die deutsche Nationalhymne bei der offiziellen Begrüßung gehört. Diese fand um 19.00 Uhr Ortszeit statt. Vorher war der Tag ziemlich dicht mit Terminen gespickt:   
                                                                                                                       08.30 Uhr Frühstück
09.30 Uhr in den Bus zum Training
10.30 - 12.30 Training                                                 
13.00 Uhr mit dem Bus zurück
14.00 Uhr Mittagessen
anschließend 'small talk' mit anderen Nationen
16.00 Uhr Termin beim Friseur. Es folgte für deutsches Verständnis eine eher ungewöhnliche Art des Friseurbesuches. Susanne (eine unserer Trainerinnen) und ich haben in einem Anfall von Nationalstolz beschlossen, Flagge zu zeigen und uns die Deutschen Farben ins Haar flechten lassen. Es waren konstant 3 Personen damit beschäftigt, uns die Farben (Hinweis: Schwarz-rot-gold, für diejenigen, denen die olympischen Spiele vor 3 Wochen nicht mehr so präsent sind) ins Haar zu flechten. Ein Chinese arbeitete nach den Anweisungen des zweiten Chinesen. Der dritte Chinese diskutierte mit den beiden erstgenannten, wie denn die Anweisung des zweiten Chinesen am besten umzusetzen sei. Etwas verwirrend oder, das Ergebnis war auf jeden Fall super. Dank des motivierten Einsatzes rennen (Susanne) oder rollen (Moni) wir nun dem Anlass entsprechend herum.

 

Nun wurde es bereits wieder stressig. Duschen, umziehen, die offizielle Ausgangsbekleidung an schmeißen und um 18.00 Uhr zum Treffpunkt. Danach Abmarsch zur offiziellen Begrüßung.
 
19.00 Uhr offizielle Begrüßung durch den Bürgermeister - man staune: ein Rollstuhlfahrer.
20.00 Uhr Abendessen
21.00 Uhr allabendliche Massage und ab ins Internet, alle E-mails beantworten und Folge 6 ausarbeiten.
 
Abschließend möchte ich mich heute für Eure vielen Rückmeldungen ganz herzlich bedanken. Ich logge mich jeden Abend ganz gespannt ein, und freue mich auf die Neuigkeiten von Euch.
 
Erste Ausfälle sind auch bereits zu beklagen. Ein Rennradfahrer hat sich das Schlüsselbein gebrochen, beim Versuch mit Badelatschen und Fahrrad die Kellertreppe herunterzufahren. Entwarnung keine Scharlachepidemie, dafür gibt es die ersten Durchfallopfer zu vermelden.
 
Morgen hat sich das ZDF angemeldet um Interviews mit den Sportlern zu machen. Es wird langsam spannend.
 
In diesem Sinne
Liebe Grüße Moni
 
Übrigens: Auf einer Strecke von 50 Metern stehen mindestens 10 freundliche Chinesen um Dir den Weg zu zeigen.

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02.09.2008 Ortszeit 10:45 Uhr
 
Hallo Ihr Lieben,
 
nach meinen allabendlich stattfindenden Streicheleinheiten durch unsere Physiotherapeutin Connie nachfolgend nun die sehnsüchtig erwarteten Infos aus Beijing.

 

Heute war um 17.00 Uhr Training in der Wettkampfhalle angesagt. Diese wunderschöne Halle befindet sich in der University of Beijing und fast ca. 14000 Zuschauer. Die TT-Wettbewerbe sind bereits ausverkauft.... Es stehen insgesamt 8 Tische in der Arena, jeder mit Monitor und elektronischem Schnick Schnack ausgerüstet. Alles hoch professionell. Hoffentlich kann ich diesem Druck standhalten. Die Spannung steigt von Tag zu Tag.

         

Auf dem Weg dorthin habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass ganz Westkirchen in Peking in einen Bus passen würde. So gedrängt stehen und sitzen die Menschen hier hinter den Scheiben. Über Nacht wurden tausende von Olympischen Fahnen und Flaggen ausgetauscht und durch Paralympische Fahnen ersetzt. Absolute manpower. Selbst alle Wegweiser auf den Autobahnen trugen plötzlich unter anderem auch die Beschreibung 'Paralympic Village'.

   

Morgen ist im Dorf die so genannte 'Welcome Ceremony'. Wir werden offiziell vom Bürgermeister des Dorfes und anderen Persönlichkeiten begrüßt, die Deutsche Fahne wird gehisst und die Nationalhymne gespielt. Ich werde auf jeden Fall teilnehmen. Vorher jedoch haben wir Frauen noch einen Termin beim Friseur. Es ist doch klar, das die Nationalfarben
in die Haare müssen!!
 
So, dies muss erst mal reichen.
 
Lieben Gruß Moni
 
Übrigens: Das TT-Training von uns und anderen Nationen wird immer von chinesischen Trainern beobachtet...
Ich habe noch keine Chance gehabt Geld auszugeben, das muss sich ändern.

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01.09.2008 Ortszeit 21:58 Uhr
 
Hallo Ihr Lieben,
 
es wird langsam immer spannender, alle meine Gegnerinnen sind bereits im Dorf eingetroffen. Die Gedanken und Planungen fokussieren sich immer mehr auf den Sport. am 05.09 findet die Auslosung statt, dann kann ich Euch über meine potenziellen Gegnerinnen im Einzel informieren.

 

Heute sind wir mit dem Bus direkt ins Vogelnest gefahren und konnten einige Sequenzen von der Generalprobe zur Eröffnungsfeier erhaschen, bevor uns die freundliche aber bestimmte Security hinaus komplimentierte. Das Stadion ist wirklich so beeindruckend wie erwartet. Aber noch beeindruckender ist der so genannte 'Green Park'. Dieser ist mindestens 4000 m lang und 500 m breit. rechts und links die Sportstätten, Schwimmen, Fechten, Velodrom usw. Wow.... Wir waren fast die einzigen, die sich auf diesem Boulevard aufhielten. Wir kamen nirgends rein, selbst Mc Donald war nicht geöffnet.
Ich hatte ein großes Gefühl der Einsamkeit...ausgesetzt in der Wüste - naja, vielleicht ein wenig übertrieben.

 

Danach ging es zum Training wieder in die Trainingshalle. Es herrschte das pure Verkehrschaos, jedoch unser Bus auf der Olympiaspur konnte sich ohne Probleme fortbewegen.
 
In unserem Team ist Scharlach ausgebrochen, hoffentlich erwischt es mich nicht!
Von Jetlag immer noch keine Spur, ich schlafe wie ein Stein. Übrigens: die Steine hier im chinesischen Garten sind alle aus Kunststoff.
 
Morgen ist zum ersten Mal Training in der Wettkampfhalle ich bin schon ganz gespannt, wie dort die Verhältnisse sind.
 
So das reicht erst mal für heute, ich bin nun auch ziemlich kaputt.
 
Lieben Gruß Moni
 
Übrigens: Wenn man beim Kaffee trinken einen Keks vom Teller nimmt, dann wird sofort ein neuer nach gelegt.... sehr aufmerksam oder?
Ach ja, das Wetter - 30 Grad und blauer Himmel, von Smog keine Spur.

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31.08.2008 Ortszeit Sonntag 10.30 Uhr
 
Hallo Ihr Lieben,
 
wir sind gestern um 09.30 Uhr pünktlich und sicher in Peking gelandet. Der zweite Teil der Mannschaft, der von München geflogen ist, hatte weniger Glück, sie mussten über Moskau umkehren, Triebwerksschaden!! Der Flughafen in Peking ist überwältigend groß. Das Fluggastgebäude ist 3 km lang. Es war jedoch alles perfekt organisiert, wir brauchten uns um nichts zu kümmern, kein Gepäck etc... Um 11.30 waren wir bereits im olympischen Dorf und auf unseren Zimmern. Diese sind einfach aber ok. Hier kann man alles machen: surfen, shoppen, kostenlos zum Friseur gehen, spielen, Disko. 

 

Ich habe super geschlafen heute Nacht, von Jetlag bis jetzt keine Spur. Gerade waren wir beim Frühstück, hier geht es ziemlich bunt zu. Es sind bereits fast alle Nationen angereist und man bekommt alle Arten von Speisen. Asiatisch, Mediterran. Amerikanisch, Vegetarisch, Es fehlt an nichts - stimmt nicht, dass 'Deutsche Brot' fehlt. Na ja, man kann nicht alles haben.
 
Um 12.00 Uhr geht es zum ersten Training. Bin schon gespannt, was uns da erwartet.
 
Es ist hier alles super überwacht und abgesichert. Du kommst Dir vor wie im goldenen Käfig. Die Polizisten tragen hier Nummern.
 
So dass reicht erst mal, nächste Folge am ????
 
Viele Grüße Moni.
 
Ach ja das Wetter: 25 Grad und Sonnenschein, perfekt.


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29.08.2008 MEZ 12:09 Uhr
 
Ich bin dann mal weg!
 
Hallo Ihr Lieben,
 

die Koffer sind gepackt, die Nachbarn und Freunde haben mir beim gemeinsamen Frühstück noch letzte entscheidende Tipps und Ratschläge mitgegeben, damit ich erfolgreich am 18.09.08 zurückkomme, damit es was zum Feiern gibt.
 
Jetzt geht es zum Flughafen nach Münster-Osnabrück, 14.30 Uhr Abflug nach Frankfurt, 17.30 Abflug von Frankfurt nach Peking. Ankunft ca. 09.30 Ortszeit in Peking.
 
Ich werde versuchen Euch regelmäßig Wasserstandsmeldungen zu schicken und hoffe, dass das problemlos klappt. Erste Probleme gibt es schon, ich kann lediglich 10 Adressen gleichzeitig abschicken (Mein Verteiler hat jedoch 40).... nun denn, vielleicht richte ich mir in Peking noch eine neue ein.
 
 Lieben Gruß Moni


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